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"Harald Haerter is a great guitarplayer".
- John Scofield
"Harald Haerter is one of the finest musicians I have ever worked with. He is not only an excellent guitarplayer but also a visionary artist. There are very few musicians like him around today. I really enjoy playing with him and recommand him highly - anytime, anywhere".
- Dewey Redman
"Harald Haerter is an accomplished musician, who deserves recognition not only in Europe but also in the United States. He has come up with an individual style of playing the guitar and his composerly vision takes the band into some territory that is wholly unique. They are a much-needed shot in the arm for contemporary instrumental music".
- Bill Milkowsky, Down Beat
"In Harald Haerters Musik liegen unbaendiger Vorwaertsdrang und widerstrebende Sperrigkeit in staendigem Clinch miteinander, woraus eine unglaublich intensive Spannung resultiert. Fast jedes Stueuek funktioniert wie ein Ferrari, bei dem bei durchgedruecktem Gaspedal die angezogene Handbremse ganz langsam geloest wird. Besonders Harald Haerter bewies mit seinen exzessiven, bisweilen in lustvollen Eruptionen ueberschnappenden Gitarrensoli, dass er laengst aus dem Schatten eines John Scofield herausgetreten ist und seinen eigenen, hochexpressiven Stil gefunden hat. Wenn er in konvulsiven Zuckungen des ganzen Koerpers seine Gitarre bearbeitet, hat man den Eindruck, dass er statt der Saiten seine Nerven aufgezogen hat".
- Ralf Burgmaier, Badische Zeitung
"Harald Haerter spielt auf seiner Gitarre komplexe New-Jazz-Linien, phrasiert mal funky, mal bluesig, mal free, immer jedoch auf das Wechselspiel von Spannung und Aufloesung bedacht. Haerters Spiel ist eigenstaendig und energisch auf dem Weg zu einer individuellen musikalischen Sprache. Besonders Marcel Papaux uebernimmt Haerters musikalische Dramaturgie und setzt sie in einer humorvollen Mischung aus Groove und Free Playing um. So wurde der Treff der Generationen durch die Energie der Band und die erfahrene Praesenz Dewey Redmans zu einem Dialog zwischen sich ergaenzenden Musikern, die sich trotz oder gerade wegen ihrer Unterschiede erfreulich viel zu sagen hatten".
- Ralf Dombrowski, Sueddeutsche Zeitung
"Wie der Gitarrist Harald Haerter behutsam seine Soli aufbaut, um schrittweise mit Single-Note-Rasanz den Gesamtklang zu lenken, ist absolute Weltklasse, weil bewusst und nicht blosses Ergebnis perfekt-mechanischer Fingerfertigkeit".
- Ljubisa Tosic, Der Standard, Wien
"Der Gitarrist Harald Haerter zeigte schnell, dass er zur Spitzenklasse der Jazzgitarristen gezaehlt werden muss: mal gab es Frisell-Sound, dann wieder unberechenbare Akkordgewitter, in die sich Dewey Redman mit seinem Saxophon einfuegte".
- Karl Krieg, Passauer Neue Presse
"Gitarristen gewinnen in der Jaszzszene immer mehr Bedeutung. Gleich zwei davon bestimmen die klanglichen Pfade im Harald Haerter Quintett aus der Schweiz. Mit Sounds experimentiert der Bandleader ebenso gerne wie musikalische gewinnbringend. Weitverzweigte, rhythmisch unregelmaessige Themen liebt diese Band, freifrontal eingefaerbten Bop in Verwandtschaft zu Ornette Coleman. Damit hatte der langjaehrige Coleman-Partner Dewey Redman keinerlei Probleme, der seit einiger Zeit Haerters Band vervollstaendigt. Starke Momente ergaben sich immer wieder, sobald der expressiv ausschwingende Bluesausdruck von Redman umgarnt, kontrapunktiert und aufgerieben wurde von Gitarren, von erregenden Tremolos, rasch sich intensivierenden und hochrankenden Soli".
- Rainer Koehl, Rhein-Neckar Zeitung
"Das Jazzfestival Montreux ist zu einer Kulturverwurstungsmaschinerie geworden, zu einem Disneyland der Klaenge: Doch manchmal kann man sogar in Montreux musikalische Wunder erleben. Waehrend David Sanborn ein routiniertes Set mit stromlinienfoermigen Muzak-Jazz ablieferte, spielte das Harald Haerter Quartett zusammen mit Dewey Redman eine Stunde lang dichten, spannenden und facettenreichen Modern Jazz, der durch seine nie nachlassende Dringlichkeit zu begeistern vermochte. Diesen Musikern geht es nicht um die Perfektionierung des Leerlaufs, sondern um evolutionaere Innovation. Die Zusammenarbeit mit Redman, diesem Meister unklischierter Improvisationskunst, ist daher nichts als folgerichtig".
- Tom Gsteiger, Der Bund
"Wie hoch Harald Haerter mittlerweile eingestuft wird belegt auch der Saxophonist, der seit einiger Zeit Buehnenpartner seiner Band ist und auf der neuen CD als Co-Leader auftaucht: Der Amerikaner Dewey Redman, langjaehriger Partner von epochemachenden Musikern von Keith Jarrett ueber Pat Metheny bis zu Ornettes Coleman, ist eine der zentralen Figuren des modernen Jazz. Was Redman, Haerter und seine Band gemeinsam erarbeitet haben, ist auf dem Gipfel der zeitgemaessen Interpretation von Hardbop anzusiedeln. Haerter praesentiert sich hier einmal mehr als eigenstaendiger Gitarrist von internationalem Format".
- Hanspeter Vetsch, Cash
"In the Harald Haerter/Dewey Redman band the contrary styles of the two guitarists beside Mr. Redman were perfect foils for each other: on one side Mr. Haerters manic delicacy in ripping explorations of chords changes on the other Philipp Schaufelbergers anti-virtuosic quarter-saunter."
-Ben Ratlif, The New York Times
"Harald Haerter gewinnt diesseits und jenseits des Teiches immer mehr Freunde und leistet sich den Luxus, Michael Brecker als Gast einzuladen. Haerter hat sich seinen Ruf hart erarbeitet. Mit Michael Brecker teilt er eine Vorliebe fuer einen Sound, der ohne Hysterie auskommt. Wenn es um Dramatik geht, ist Haerter einem John Scofield laengst voraus. Das sorgt fuer Gelassenheit, und so darf Brecker gerne mal alleine die Buehne beherrschen: Es blieb 120 begeisternde Minuten lang Haerters Abend - und Brecker war der Gast.
- Ralf Dorschel, Hamburger Morgenpost
"Die CD "Mostly Live" praesentiert eine working group in ihren besten Momenten, aber ich vermute, es haette ebenso eine das Dreifache umfassende Edition werden koennen. Redman spielt mit doppelter Schwerkraft zu den Roots ziehendem Blues-Feeling und wahrhaft unvorhersehbar gesponnenen Melodielinien ein grossartiges Tenor, aber wichtiger, als was er spielt, ist was er ausloest. Die Aura, die Induktion von Hochspannug, in der sich die Reaktionszeiten aller Beteiligten verkuerzen in einem ueberhellen Wachzustand und jeder doch den Mut aufbringt zu Pausen und Auslassungen. Von den vielen Dynamitgrossvaetern im Jazz ist Dewey Redman der agilste und bewegenste. Neben der tragischen Jazzgeschichte gibt es die triumphale, ihre Helden haben die Gefaehrdungen, der staendige Druck der spontanen Erfindung gestaerkt. Ihre Hervorbringungen sind von einer muskuloes federnden Gelassenheit.
"Mostly Live" praesentiert wohl den sparsamsten Haerter aller Zeiten. Haerter ist ein ungemein vielseitiger, aller neueren Dialekte des Instruments maechtiger Gitarrist, ein Saenger, ein Melodramatiker und Melomane mit einem Hang zum Pathos.
Ende der Lobpreisungen, gerade den verkannten Propheten kann man auch zu Tode loben, wie der Marktschreier den letzten Schrittposten im Ausverkauf. Nichts liegt ferner, als dieses erstaunliche Dokument anzupreisen wie Sauerbier. Es teilt sich jedem selber mit".
- Peter Rueedi, Die Weltwoche
"Als Gluecksfall erwies sich in musikalischer Hinsicht Dewey Redmans Begegnung mit dem Gitarristen Harald Haerter, den er nicht muede wird als grossen Musiker anzupreisen. In den fuenfzig Konzerten seit Maerz 1995 in Europa haben die beiden eine ganz spezielle musikalische Beziehung aufgebaut. Es lag daher auf der Hand, eine CD zu produzieren. Dieser Aufgabe hat sich Haerter mit grossen Engagement angenommen und ein Programm mit einem feinen Sinn fuer Dramaturgie editiert. Die Muehe hat sich gelohnt, denn die Intensitaetsboegen sind voll auf dieses Produkt zugeschnitten und praesentieren ein grossartiges Quintett im besten Licht".
- Peter Buerli, Tagesanzeiger
"Die Zusammenarbeit des Gitarristen Harald Haerter mit dem beruehmten Tenorsaxophonisten Dewey Redman gehoert zu den erfreulichen Kapiteln interkontinentaler Jazzbegegnungen. Redman ist naemlich nicht einfach der geladene Star. Der Blaeser ist voll in das Quintett integriert. Dieses lebt von allen moeglichen Symbiosen. Da wird aufmerksam zugehoert, diskutiert, respektiert. Und Haerter selbst hat einen ganz eigenen Stil zwischen Django Reinhardt und John Scofield gefunden. Seine spontanen Ausbrueche mitten in einem "gesitteten" Solo ueberraschen. Offensichtlich freut sich auch der grosse Redman an Haerters Eingebungen - man spuert es im inspiriertem Spiel".
- Nick Liebmann, Neue Zuercher Zeitung
"Haerters aufsehenerregendes, neues Quintett mit Dewey Redman war jetzt am Jazzfestival Montreux zu hoeren. Eine freie, herrlich ungebaerdige Musik zwischen Post Bop und Free Jazz, die nicht nostalgisch bei der Tradition stehen bleibt, sondern diese neu sichtet und verknuepft mit Errungenschaften des Free-Funk, der harmolodischen Musik von Ornette Coleman und den neuen Tendenzen der New Yorker Downtown-Szene".
- Christian Rentsch, Basler Zeitung
"Selten waren die Zeiten fuer improvisierte Musik vielschichtiger. Geographische Gebiete, die den Jazz bisher weniger beeinflusst haben setzen Marksteine und geben Impulse. So auch der junge Schweizer Gitarrist Harald Haerter. Schon im von Kritikern und Publikum begeistert aufgenommenen Intergalactic Maiden Ballet hat er mit grossen Saxophonisten gearbeitet. Seine neue CD dokumentiert nun Tourneen seines neuen Quintetts mit Dewey Redman. Hier wird auf einem Niveau improvisiert, dass in seiner Dichte und Dynamik nur begeistern kann. Wer die Band auf ihren Tourneen nicht gesehen hat, sollte sich unbedingt diesen zum groessten Teil ekstatischen Hoergenuss nicht entgehen lassen".
- Joerg Konrad, Jazzpodium
"Immer wieder war es Haerter, der die Intensitaet hochschraubte. Die Art, wie er bei allem leichtfuessigen Jazz-Swing immer auch mit Zwischenakkorden querschlaegt, rueckkoppelt und anheizt, Toene zieht und quetscht, ploetzlich Rockriffs einschaltet, funkig hackt, aber trotzdem swingt und singt und nie die innere Zielgerichtetheit verliert, das macht ihn jedenfalls weitaus interessanter als heute ein John Scofield oder ein John Abercrombie sind".
- Pirmin Bosshart, Neue Luzerner Zeitung
"Swiss guitarist Harald Haerter has been incorporating Dewey Redmans tenorsax into his European quartet for more than two years, and the fit it as seamless as might be expected when everyone is drawing upon the shared inspiration of Ornette Coleman. These musicians embrace the more blues-drenched, more swing-oriented vernacular of acoustic Coleman and speak the language like natives. Haerter, the groups primary soloist drives the music with his ranging sound and abundant ideas. While he employs space adroitly to shape his lines, they retain an anxious, headlong quality. When he relaxes he sounds ethereal as on the funky original "Ball", where the guitar-phrases drifted just beyond the gravitational pull of the rhythm section. A more typical solo was the prickly beauty Haerter unleashed on Redmans "Mushi Mushi", where the open low string punctuated the rushing phrases Haerter sprayed above. Redmans tenorsax, with its gritty strength and attractive hint of strains, enhances the contrasting sound of the two guitars. Few other players can sound as venerable and down to earth in open forms as Redman did. The tenderness in his tenor also comes across well in this band".
- Bob Blumenthal, The Boston Globe
"Intially influenced by Django Reinhardt, Haerter displays excellent chops, taste and the pacing it takes to build a solo from spare to pyrotechnical. Schaufelberger solos economically and intelligently; as times his smooth eith-notes evoke an updated Charlie Christian. The sensitive, texturally varied interplay of Haerter, Schaufelberger and bassist Baenz Oester is a pleasure. Each leaves space for the other, and Haerters penetrating tone contrasts effectively with Schaufelbergers softer sound".
- Harvey Pekar, The Guitar Player
Jazztimes/Guitarplayer
Harald Haerters Search For Freedom
Too often, we American jazz critics take a very provincial view toward the music we cover. The most chauvinistic of us believe, that no quality jazz can exist outside the hallowed confines of New York City. A great majority of us are willing to acknowledge "happening scenes" in other areas of the country like Chicago, San Francisco and New Orleans while casting a blind eye towards entire continents. Only a few colleagues - notably Down Beat contributors Kevin Whitehead and Art Lange and JazzTimes contributors Bill Shoemaker and Owen Cordle - have championed the cause of creative instrumental music (i.e. jazz) coming out of places like Holland, Germany, Italy and Eastern Europe.
One artist who is finally beginning to get some recognition in America is Swiss guitarist Harald Haerter. His latest release on the Enja/Tip Toe label, "Mostly Live", is beeing aggressively distributed and promoted by Koch International. And Harald has wisely followed up its release with a Stateside tour of twelve cities, from New York, Washington and Boston down South to Austin, Houston and New Orleans and up to the Midwest for hits in Chicago and Milwaukee.
American jazz crititcs are naturally drawn to Haerters cd and to his Stateside appearances because of the presence in the band of jazz legend Dewey Redman, a tenor saxophonist of immense power with an unquenchably daring spirit. Redman has made significant contributions to landmark recordings by Ornette Coleman, Keith Jarret, Pat Metheny, Old & New Dreams and Charlie Hadens Liberation Orchestra but, ironically, he is currently being sought out for interviews by European jazz journalists by virtue of the fact that he also happens to be the father of jazz superstar Joshua Redman.
Redman and Haerter have forged a magical chemistry in their 83 gigs together, which can be readily heard on the 12 daring tracks from Mostly Live. They seem to spur each other on to new heights of improvisation on the bandstand, supported by drummer Marcel Papaux, bassist Baenz Oester and rhythm guitarist Philipp Schaufelberger. Indeed, Redman has glowing words for the Swiss guitarist: "He is one of the best guitarists I have ever played with. There are very few musicians like him today. He is not only an excellent player but also a great visionary artist".
For Haerter, each night becomes a challenge as he seeks to shed all the cliches and familar motifs from his playing. And being alongside one of the most passionate improvisators in jazz today only enhances his nightly search for freedom.
Together they are creating some of the most exhilarating music in contemporary jazz; certainly far more daring than stodgy, straight ahead approach currently being employed by so-called Young Lions who choose the more comfortable path of recreating music from 40 years ago.
Born in Zurich on July 12, 1958, Harald came under the spell of jazz at age 15 after hearing recordings of the great gypsy guitarist Django Reinhardt. By age 19, the young guitarist was so accomplished on his chosen instrument that he was given a solo spot at the prestigious Montreux Jazz Festival. His love of the sublime, impressionistic playing of guitarist Jim Hall, a frequent collaborator with such jazz legends as pianist Bill Evans and saxophonist Sonny Rollins, led him to such hall proteges as John Abercrombie, Bill Frisell and John Scofield. During a stay in New York from 1983 to 1985, Haerter actually studied with John Scofield. Indeed, the Scofield influence can readily heard in Haerters past work with his electric funk ensemble, The Intergalatic Maidenballet. More recently, Harald has consciously sought to purge any Scofield signatures from his playing in an attempt to arrive at his own personal voice on the instrument. His adventurous work alongside Redman over the past year in the Haerter/Redman Quintet has helped him immensly in that pursuit, to the point where today Harald posesses a singular and quite provocative approach. Tonally, there are still allusions to Scofields ballsy sound in his playing (in fact, the two play similar Ibanez semi-hollow body guitars). But the phrasing, the breathtaking single note lines and daring harmonies employed in the heat of improvisation are uniquely his own.
:: Bill Milkowski ::
SZ_1. September 97
Harald Haerter 4tet -- Berauschend
Unbeirrbar macht Harald Haerter sein Ding. Mit schrullig introvertierter Verspieltheit sucht der Schweizer Gitarrist die Befreiung von der jazzigen Norm. Schrill, aber ohne selbstgewisse Attiduede der Avantgarde, seziert er Akkorde, collagiert Songpartikel, montiert Soundfragmente zu ungewohnten Strukturen. Er jongliert mit den Meta-Ebenen der Interpretation, um schliesslich ueber zahlreiche harmolodische und musikmythische Umwege doch wieder beim Jazz-Blues und bei bluesverwandten Formen zu landen.
Diese Freude am Experiment, diese Lust an der Veraenderung haben ihn sich im Laufe des vergangenen Jahrzehnts zu einem wiedererkennbaren skurrilen Stilisten in der Nische zwischen Marc Ribot und John Scofield entwickeln lassen. Und da der kreative Prozess der Selbstdefinition noch lange nicht abgeschlossen ist, interessieren sich immer mehr international renommierte Jazzkollegen fuer ihn und seine gleichgesinnten Partner im Harald Haerter 4tet. Nach Dewey Redman und von Gary Batz fuegt sich zurzeit der Saxophonist Michael Brecker als Stargast in das bizarre musikalische Kommunikationsgeflecht der Band. Der aesthet trifft auf die Dekonstrukteure, Kontraste bestimmen das Programm im Incognito. Denn wann immer er von Haerter und dessen gitarristischem Alter ego Philipp Schaufelberger akustisch in die Mange genommen wird, wirkt er wie ein aufrechter Musterschueler inmitten laermender Jungs, perfekt im Ton, klar und akademisch sauber im Ansatz, reflektiert in den Improvisationen und im Einsatz expressiver Stilmittel.
Brecker doziert, Haerter und Schaufelberger setzen beissenden Soud und solistische Extase dagegen, die von Marcel Papaux und Baenz Oester an Schlagzeug und Kontrabass mit aufmerksamer Zurueckhaltung zusammengehalten werden. Trotz mancher Laengen ein fast berauschendes, zumindest immer wieder ueberraschendes Konzert.
:: Ralf Dombrowski ::
Intoxicating
Harald Haerter goes about doing his thing seemingly unperturbed! The Swiss guitarist is searching to free himself from all the well-known norms and standards as set by the jazz-world with a kind of whimsical and introverted playfulness. Shrill, but in disregard of a selfassured attitude displayed by the avantgarde, he disects chords, reassambles bits and pieces of songs into collages and assembles fragments of sounds to reappear within unuasal structures. He juggles with meta-levels of interpretation to land via uncountable harmolodic and mystical detours ultimately in those familiar forms of the blues and its derivates.
This joy of experimenting and an inclination towards continuous change have helped him to develop through the past decade to emerge finally as a identifiable however odd stilist in niche between Marc Ribot and John Scofield. And since the process of self-definition is by far not finalized, more and more internationally reknowned jazz-collegues are taking a serious interest in him and his like-minded partners in the Harald Haerter 4tet. Michael Brecker, Dewey Redmans follow-up and Gary Bartz predesessor appears as guest-star and demonstrates his ability to integrate himself into the bands rather bizarr network of communications. The aesthet thus meets the de-constructors. The program is marked by contrasts. Every time Brecker seems to be acustically bugged by the guitarist and his alter ego Philip Schaufelberger, he appears like a straight and forward model student, with a perfect tone, clear and academic, clean in its articulation, reflective when improvising and the use of expressive stilistics, surrounded by a bunch of really loud kids!
Brecker lectures while Haerter and Schaufelberger counteract with biting sounds and ecstatic solos accompanied by bassist Baenz Oester and drummer Marcel Papaux, a very attentive but well restraint rhythm section that keep the whole thing together. Even though certain passages seemed too long, it proved to be an almost intoxicating performance, full of surprises.
:: Ralf Dombrowski ::
Hamburg & Kultur, 29.8.97
Schweizermacher
Vereint: Haerter und Brecker in der Fabrik
Im Prinzip ist alles klar: Schweizer Gitarrist und amerikanischer Saxophon-Superstar am gleichen Abend: Dann ist also der US-Import das Hauptprogramm und der Alpenlaender der Support -- so verlangt es das Jazzgeschaeft. Ausser natuerlich, der Schweizer heisst Harald Haerter, gewinnt diesseits und jenseits des Teiches immer mehr Freunde und leistet sich den Luxus, Michael Brecker als Gast einzuladen.
Jobs wie diesen machen die beruehmteren 50 Prozent der Brecker Brothers jeden Tag: Gerade aus Japan eingeflogen, einen Tag Proben und dann wenig Solo fuer viel Geld. In Faellen wie dem des gemuetlichen Schweizers mit dem Pizzabaeckercharme allerdings macht Brecker es aus Sympathie. Denn Haerter hat sich seinen hervorragenden Ruf hart erarbeitet: Die beiden teilen eine Vorliebe fuer Monks Schachtel-Werke und fuer einen Sound, der ohne Hysterie auskommt: Langsam wird ueber den stets solistischen Groove der Rhythmusgruppe ein Solo aufgebaut, es darf Umwege machen, auf den Punkt kommen und ihn wieder verlassen. Wenn es um denn Sinn fuer Dramatik geht, ist Haerter dem Vorbild John Scofield laengst voraus. Das sorgt fuer Gelassenheit, und so darf Brecker gerne mal alleine die Buehne beherrschen oder einen alten Jazzfunk der Brothers spielen: Es blieb 120 Minuten lang Haerters Abend -- und Brecker war der Gast.
:: Harald Dorschel ::
The Making Of A Swiss
United: Haerter & Brecker
Basically, a clear cut case: Swiss guitarist and American saxophonist/superstar to perform individually during the same night. Consequently, the US-import represents the major part of the concert and is supported by this guy coming down from the alps - thus required by the standards of the jazz business. Except that swiss goes by the name of Harald Haerter, is about to gather more and more fans and friends from both sides of the Atlantic and is able to afford the luxury of hiring the talent of a Micheal Brecker as his guest.
Jobs of this kind are usually part of the daily business of the more prominent 50% of the Brecker Brothers: He just flew in from a gig in Japan, went through one day of rehearsal, with the result of little solos for a lot of money! However, in this particular case of the easygoing Swiss with the charms of a pizzabaker, Brecker seems to have done a job out of sympathy knowing, that Haerter has worked hard to gain his excellent reputation: Both of them share a preference for Monks intricate works as well as for a sound, that appears bare of any hysterics: Their solos are being constructed slowly upon the steady groove of the rhythm section, detours are allowed to ultimately arrive at the peak and to let go again. Concering dramatics, Haerter has already superseded his idol John Scofield a fact, that creates an atmosphere of calmness and allows Brecker to reign alone over the proceedings by reiteralting old jazz-funk standards initiated by the Brecker Brothers of yore. The 120 minutes of this sucessfull concert were met with great enthusiasm; it turned out to be Haerters own personal evening - and Michael Brecker must be regarded as his guest!
:: Harald Dorschel ::
Muenchner Merkur, 1.September 97
Michael Brecker: Sahne-Haeubchen
Wenn Michael Brecker zum Saxophon greift, ist klar, wer hier den Takt angibt. Schliesslich ist der Meister aus den Staaten schon laengst eine lebende Legende. Waehrend Brecker sonst nur mit Jazz-Giganten wie Pat Metheny, John Scofield oder Herbie Hancock auf Tour geht, gab er im Muenchner Incognito dem Gitarristen Harald Haerter die Ehre.
Ein noch relativ unbekannter Nobody und der Altmeister zusammen auf der Buehne? Das mag auf den ersten Blick wie eine kleine Sensation anmuten. Doch schon nach den ersten filigran in die Szene gesetzten Klanggebilden liegt des Raetsels Loesung in der Luft: Harald Haerter und seine Band sind live einfach eine Klasse fuer sich. Egal ob Eigenkompositionen oder bei Standards im neuen Gewand: Das Spiel des Haerter-Quartetts bleibt nicht in traditionellen Schemen stecken, sondern schlaegt eine Bruecke zu neuen Tendenzen und Stilelementen im modernen Jazz wie beispielsweise dem Free-Funk. Dabei entlockt Haerter seinem Instrument die ganze Tonpalette von verhalten bluesig ueber leicht swingend bis hin zu hochkomplexen Freistil-Improvisationen.
Haerter verliert sich dabei jedoch nicht nur in hochgeschraubten Solis, sondern begnuegt sich auch mit geschickt eingestreuten Rock-Riffs und laessig hingeworfenen Funk-Akkorden. Seine Mitstreiter Philipp Schaufelberger, Baenz Oester und Marcel Papaux tun ihr uebriges, um die stringent durcharrangierten Stuecke auf ein schwindelerregendes Niveau in Sachen Dichte, Dynamik, und Improvisation zu fuehren. So entsteht ein intensives Wechselspiel von Spannung und Aufloesung.
Und Michael Brecker? Er brilliert in der Rolle des Chefkochs. Stets praesent und doch im Hintergrund setzt er der ganzen Kreation mit souveraener Grandezza ein exquisites Sax-Sahnehaeubchen nach dem anderen auf.
:: Dinesh Bauer ::
TR7_April 97
Harald Haerter : Schweizer Gitarrist erobert die Jazz-Welt
Emotion vor Virtuositaet
Nach seinem vielgelobten Album mit der Sax-Legende Dewey Redman tritt der Zuercher Gitarrist Harald Haerter (39) in den renommierten US-Clubs auf. "Next" begleitet ihn.
Harald Haerter ist groessenwahnsinnig! Zu diesem Schluss kommt man leicht, wenn der Zuercher verkuendet: "Von jetzt an kann ich mir aussuchen, mit welcher Jazzgroesse ich spielen will". Nur, Haerter hat recht! Dies bestaetigen auch die Lobeshymnen von Cracks wie Redmann und John Scofield. Ausgesucht hat sich Haerter wahrlich die Crème de la crème: In Willisau wird er dieses Jahr mit dem Saxophonisten Kenny Garett auftreten. Der Amerikaner gehoert nebst Brandford Marsalis, Arthur Blythe und Redman zu den "sax-giants", mit dem Haerter noch dieses Jahr ein Album aufnehmen will. "Ich liebe das Saxophon als Komlementaerfarbe zur Gitarre", schwaermt der gebuertige Hoengger und fuegt genuesslich bei: "Meine Frau spielt Saxophon!"
Konzert im Birdland
Die Zusammenarbeit mit Redmann erweist sich fuer Haerter als wahrer Gluecksfall: Seit Maerz 1995 und bald 100 Konzerten ergaenzen sich der erfahrene 66-jaehrige und der Newcomer kongenial.
Redman, Wegbereiter von Stars wie Ornette Coleman, Keith Jarrett oder Pat Metheny, verleiht der USA-Tournee von Anfang April zusaetzlichen Glanz. Haerters Quintett wird 10 Konzerte in den wichtigsten Clubs spielen. Fuer den ersten Gig im legendaeren Birdland in New York haben sich die Bosse der zwei wichtigsten Jazz-Labels Blue Note und Verve angemeldet. Hoher Besuch, von dem sich Haerter "fuers Business" einiges erhofft.
Bisher war er in den Staaten hoechstens mit seiner in Europa sehr erfolgreichen Jazz-Funk-Formation The Intergalatic Maidenballet bekannt. Im Mai wird das "Maedchenballet" auch in der Schweiz touren, auf Ende Jahr ist ein Live-Album geplant.
Haerters Karriere verlief so ungewoehnlich wie steil: Mit 15 Jahren hielt er erstmals eine Gitarre in den Haenden. Mit 19 stand er erstmals auf der Hauptbuehne des Jazz-Festivals von Montreux. "Mir ist selbst ein Raetsel, wie das funktionierte", gesteht Haerter schmunzelnd. In dieser Zeit spielte er "taeglich zwoelf Stunden Gitarre, nebenbei wurstelte ich mich durch die Schule". Ohne eine Gitarrenstunde und ohne Noten lesen zu koennen, uebte er zu Platten von Django Reinhardt und verinnerlichte dessen Spiel.
Haerters Klasse machte ihn spaeter nicht gerade zu einem einfachen Schueler. Versuche mit "normalen" Gitarrenlehrern scheiterten -- wer kann schon einen unterrichten, der bereits in Montreux absahnte? Haerter suchte sein Glueck in New York. Selbstbewusst rief er Grossmeister John Scofield an und bat ihn um eine Probelektion. "Ich bin beim ersten Treffen vor Nervositaet fast gestorben", erinnert sich Haerter.
Trotzdem hat er Scofield offensichtlich so beeindruckt, dass ihm dieser spontan die Zusammenarbeit anbot.
Ein ehemaliger Schueler von Scofield zu sein, bringt aber auch Probleme. "In den letzten Jahren war diese Geschichte eher eine Belastung. Viele sehen mich als Epigonen, doch das bin ich nicht", erklaert er. Echt sauer wird Haerter, wenn Kritiker etwa behaupten, er bediene sich der "Scofieldschen Trickkiste" (NZZ). "Wenn Scofield betont, wie toll er mich findet, dann sicher nicht, weil ich ihn nur kopiere", ereifert sich Haerter.
Natuerlich hat er seine eigene musikalische Sprache laengst gefunden - emotional geladen und pulsierend. Besonders live gilt der Zuercher als Energiebuendel. "Ein Auftritt ohne mindestens zehn ekstatische Zustaende ist absolut nichts gewesen", stellt Haerter klar und ergaenzt: "Fuer mich gibt es nichts schlimmeres als kalte technokratische Musik. Das wilde Leben mit all seinen Schattierungen muss in der Musik toben."
:: Patrick Schellenberg ::
Abendzeitung, 2.September 97
Das suesse Gift des starken Augenblicks
Gitarrist Harald Haerter mit Stargast Michael Brecker
Jazz ist die Kunst der Versuchsanordnung. Im Idealfall wird die Buehne zur Experimentierkueche, in der verschiedene Temperamente testen, wie sie aufeinander reagieren. Besonders spannend ist das immer dann, wenn man die Ereignisse nicht vorhersehen kann - wenn der Augenblick zum Ereignis wird. Der Schweizer Gitarrist Harald Haerter ist ein Musiker, der solche Momente moeglich macht. Mit seinem durch den Saxophon-Stargast Michael Brecker verstaerkten Quartett kam Haerter jetzt ins Muenchner Incognito.
Wenn Haerter sich ins Gitarrenspiel versenkt, zuckt sein ganzer Koerper wie von Stromstoessen geschuettelt: Und sein Sound hat flackernde Intensitaet. Aus Geraeusch-Improvisationen, die an ein aus der Ferne zu hoerendes Moewengeschrei erinnern, wird allmaehlich die zarte Melodie von Thelonious Monks "Childrens Song", die Stimme eines zweiten Gitarristen verschraenkt sich mit Haerters leisen Toenen, die immer wie kurz vor einem Energie-Ausbruch klingen. Und manchmal gibt es solche Ausbrueche auch: in fesselnden Kraft-Entladungen der ganzen Band.
Michael Brecker - mit Notenpult vor dem Tenorsax - machte mit wirbelnder Lust und warmen Ton-Strudeln alle Eskapaden mit, ohne auch nur ein einziges Mal sein Weltklasse-Format protzig vorzufuehren. Und man staunte, welche Geschlossenheit die experimentelle Vielfalt haben kann.
:: Roland Spiegel ::
Sonntagszeitung, 24. November 96
Der Gegensatz als Gluecksfall
Das Harald Haerter/Dewey Redman Quintett auf Europatournee
Das Harald Haerter/Dewey Redman Quintett hat mit seiner CD "Mostly Live" grosses Aufsehen erregt. Naechste Woche geht die Gruppe auf eine ausgedehnte Europa-Tournee, die auch vier Schweizer Auftritte umfasst. "Jazz-Gitarristen" heisst ein 400seitiger Waelzer, in dem der deutsche Spezialist Alexander Schmitz die Galerie der swingenden Saitenkuenstler vorueberziehen laesst. Als das Buch im Jahre 1992 erschien, erwaehnte sein Autor im Vorwort eine Reihe neuer Talente, die er nicht mehr rechtzeitig hoeren konnte. "Ebenso wenig", faehrt er fort, "wollte es mir geraten, Genaueres ueber Harald Haerter, den Mit-Initiator des Intergalatic Maiden Ballets, herauszubekommen".
Mittlerweile duerfte dem Mann geholfen sein. Kaum ein ander europaeischer, mit Sicherheit aber kein anderer schweizerischer Jazzmusiker hat in den letzten Jahren aehnlich nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht wie eben Harald Haerter. Der 1958 geborene Zuercher tat es zum einen mit seiner Funk-Jazz-Gruppe Intergalatic Maiden Ballet, die schon lange existiert, die aber seit geraumer Zeit in ihrer Idealbesetzung zu funktionieren scheint. Zum Gruendergespann mit Haerter und dem Berner Bassisten Thomas Jordi gesellen sich die beiden oestereichischen Mitglieder des Vienna Art Orchestra, der Saxophonist Klaus Dickbauer und der Schlagzeuger Thomas Alkier.
Einen etwas andern musikalischen Ansatz hat Harald Haerter fuer sein zweites Lieblingsprojekt gewaehlt. Zur Gruppe, die einst unter dem Namen Electric Roses vier Schweizer Musiker aus zwei verschiedenen Alterskategorien vereinigte, ist mit dem amerikanischen Tenor-Saxophonisten Dewey Redman ein Mann gestossen, der, waere er Schweizer, vergangenen Mai die AHV beziehen koennte. Dieses Team produziert zusammen einen aktuellen Jazz, der an den konzeptionellen Errungenschaften des Free-Jazz-Inovators Ornette Coleman anknuepft. Der hatte sich in den fruehen sechziger Jahren die Freiheit genommen, Akkord- und Taktgerueste als Improvisationsgrundlagen zur Seite zu schieben und statt dessen das thematische Ausgangsmaterial auf reine assoziative Art weiter zu spinnen.
Hier ist wirklich eine Einheit am Werk
Fuer diese sogenannte motivische Improvisation hat Dewey Redman neben Ornette Coleman wichtige Pionierarbeit geleistet. Wie der nur gerade ein Jahr aeltere Coleman stammt er aus dem texanischen Fort Worth. Die beiden waren Schulkollegen und sammelten gemeinsam erste musikalische Erfahrungen. Von 1967 bis 1974 war Redman festes Mitglied in Ornette Colemans Quartett. Spaeter gehoerte er zu anderen legendaeren Formationen des modernen Jazz, zum amerikanischen Quartett von Keith Jarrett, zur Gruppe Old and New Dreams oder zum Quintett mit dem Namen 80/81, bei dem auch Stargitarrist Pat Metheny mitwirkte. Heute macht auch Deweys Sohn, Joshua Redman, als Shooting-Star der amerikanischen Szene Karriere.
Was veranlasst nun den Vater Redman, sich ausgerechnet einem helvetischen Quartett anzuschliessen, dessen Mitglieder alle seine Soehne sein koennten? Hat da eine einheimische Band ihr Image wieder einmal fuer gutes Geld mit einem amerikanischen Star aufpoliert? In allen Interviews versichert der Angesprochene, dass ihm das Quintett mit Harald Haerter genauso wichtig sei wie das eigene Quartett, das er daneben in den Staaten leitet.
Man glaubt ihm leicht, wenn man sich die CD anhoert, die unter dem Titel "Mostly Live" beim Muenchner Label Enja erscheinen ist. Sie praesentiert Konzertmitschnitte, die zwischen Maerz 1995 und Juni 1996 in verschieden Clubs und an Festivals entstanden sind. Hier ist eine Gruppe am Werk, die wirklich als Einheit funktioniert. Gerade die altersmaessigen und stilistischen Gegensaetze scheinen sich hier positiv auszuwirken, weil - wie Haerter sagt - zwischen den Leuten die Chemie stimmt.
Kuenstlerisch und menschlich ein Gewinn
So ist zwar der zweite Gitarrist, der Berner Philipp Schaufelberger, mit seinem lakonischen Stil der exakte Antipode zu Harald Haerter, der eine eloquente, weit ausschwingende Spielweise pflegt. Dieser Unterschied schafft starke Spannung. Moegliche Abstuerze verhindert aber ein solides Rhythmusgespann mit dem welschen Schlagzeuger Marcel Papaux und dem Bassisten Baenz Oester, einem weiteren Berner.
Gruppendenken, Interplay, Vernetzung: Das sind Begriffe, die im Gespraech mit Harald Haerter immer wieder auftauchen. Und er schaetzt sich gluecklich, dass alle Mitglieder seiner Band die besten Voraussetzungen fuer diese Ideale erfuellen. Vor allem die Begegnung mit Redman gehoert zu seinen wichtigsten Erfahrungen der letzten Jahre: "Mit ihm zusammenzuarbeiten ersetzt den Besuch einer Universitaet. Er ist hip und warmherzig, jugendlich und weise. Aus der Freundschaft mit ihm resultiert kuenstlerisch und menschlich ein enormer Gewinn."
Kontaktgelegenheiten gibt es in naher Zukunft wieder viele. Nachdem die Gruppe diesen Sommer und Herbst erfolgreich an den renommierten Festivals von Montreux, Den Haag und Leverkusen aufgetreten ist, steht ab der kommenden Woche eine ausgedehnte Europa-Tournee auf dem Programm. Und Ende Maerz geht es dann auch in die USA mit Autritten in den einschlaegigen Clubs. Der Startschuss zum Beispiel faellt im Sweet Basil, und das ist immerhin eine der ersten Adressen in New York.
:: Bruno Rub ::
Der Bund, 9.Juli 96
Gefunden: Innovativer Jazz
MONTREUX / Sanborn-Routine und Haerter-Redman-Wunder im Sounds-Supermarkt
Dass der Jazz am Jazzfestival Montreux ein Mauerbluemchendasein fristet, ist laengst eine Binsenwahrheit; nomen ist eben nicht immer omen. Montreux ist zu einer Kulturverwurstungsmaschinerie geworden, zu einem Disneyland der Klaenge: wahrlich kein ideales Umfeld fuer kreatives Musizieren!
Wunder sind moeglich
Doch manchmal kann man sogar in Montreux musikalische Wunder erleben, zumeist sind allerdings nicht die grossen Stars dafuer verantwortlich. Waehrend David Sanborn ein routiniertes Set mit stromlinienfoermigem Muzak-Jazz anlieferte, spielte das Harald Haerter Quartet zusammen mit dem afro-amerikanischen Tenorsaxophonisten Dewey Redman eine Stunde lang dichten, spannenden und facettenreichen Modern Jazz, der durch seine nie nachlassende Dringlichkeit zu begeistern vermochte.
Evolutionaere Innovation
Die Band mit den Gitarristen Harald Haerter und Philipp Schaufelberger, dem Bassisten Baenz Oester und dem Schlagzeuger Marcel Papaux kennt seit ihren Anfaengen keinen Stillstand.
Diesen Musikern geht es nicht um die Perfektionierung des Leerlaufs, sondern um evolutionaere Innovation. Die Zusammenarbeit mit Dewey Redman, diesem Meister unklischierter Improvisationskunst, ist daher nichts als folgerichtig.
Der 1931 in Forth Worth (Texas) geborene Redman spielte mit Ornette Coleman und Keith Jarret, war Mitbegruender der legendaeren Free-Bop-Formation "Old & New Dreams", Mitglied in Charlie Hadens "Liberation Music Orchestra" und Pat Methenys Gruppe "80/81". Die Kooperation mit dem Harald Haerter Quartet darf in diese Reihe gestellt werden.
Wer den kompakten und intensiven Montreux-Auftritt, der einen stimmigen Bogen schlug von beruehrendem Balladenspiel bis zu hochenergetischen Free-Eruptionen, verpasst hat, dem sei die CD Mostly Live (Enja-Tip-Toe) empfohlen.
Gitarristisches Yin und Yang
Haerter, Redman, Schaufelberger, Oester und Papaux spielen unorthodoxen Jazz, der immer wieder zu faszinieren vermag. Sei es durch das gitarristische Yin und Yang: waehrend Haerter nach ekstatischer Intensitaet und lodernder Dramatik strebt (in Montreux zuweilen etwas gar effekthascherisch), betreibt der Motiviker Schaufelberger eine listiges Spiel der Andeutungen und Auslassungen und setzt rhythmische Stolpersteine. Sei es durch den zugleich explosiven und fundamentalen Drive, den Oester und Papaux zu entfalten vermoegen usw.
Grossartiger Jazz zwischen Ornette-Harmolodics, Monk-Mysterien, Rubato-Litaneien und Funk-Schweiss - Funkstille.
:: Tom Gsteiger ::
Badische Zeitung, 2. April 1996
Im Loerracher Jazztone: das Harald Haerter Quartett mit Dewey Redman
Science und Fiction im Wechsel
Man kennt es ja, dass sich eine regional renommierte Band einen Star beispielsweise aus den USA holt, um noch publikumswirsamer zu sein. Harald Haerters Zusammenspiel mit dem Saxophonisten Dewey Redman ist jedoch mehr als das. Ihr Ziel ist es, etwas zu riskieren und zu zeigen, dass sich komplexes Zusammenspiel und emotionale, mitreissende Musik keineswegs ausschliessen muessen.
Das Projekt des Harald Haerter Quartetts featuring Dewey Redman ist die Weiterfuehrung der Band Electric Roses. "Electric" ist ist vor allem der Sound der beiden Gitarren. Sowohl Haerter als auch Philipp Schaufelberger distanzieren sich mit ihrer Spielweise von der trockenen Jazzgitarre ebenso wie von den aufgepeppten Fusionsounds. Schlagzeuger Marcel Papaux und Baenz Oester am Kontrabass bilden mit ihrer mehr ruhigen und soliden Spielweise nicht ein Fundament der Gruppe, das waere ein zu starker Ausdruck, sie erfuellen vielmehr diese Funktion.
Und dann ist mit Dewey Redman ein Saxophonist mit von der Partie, der unzweifelhaft Ohren hat fuer einen stimmigen Sound und dem das Zusammenspiel mit Gitarren auch nicht ganz neu ist. Er kooperierte schon mit wichtigen Gitarristen wie Wes Montgomery, B.B. King, Pat Metheny, Mick Goodrick und Bill Frisell. Das kommt nicht von ungefaehr: Seine Vorliebe fuer Twin-Guitars gehoert schliesslich zu den Besonderheiten der Musikszene seiner Heimatstadt Fort Worth. Mit dem weitraeumigen Titel "From Science Funk to Fiction Bop" wurde das Konzert im Jazztone angekuendigt.
Funk-Elemente waren am Freitag zwar weniger zu hoeren, dafuer bewegte sich die fuenfkoepfige Formation staendig zwischen "Science" und "Fiction". Ein immer wieder auftretendes Wechselspiel von der logischen Wissenschaft und einer freien Dichtung, der persoenlichen Interpretation und der Erzaehlweise der Musik. Einfache, binaere Melodien, die von Saxophon und Gitarren oefters unisono gespielt wurden, loesten sich immer wieder vom bewussten Chaos rhythmisch und harmonisch komplexer Strukturen, um wieder als eine Einheit dazustehen und permanente Spannungen noch mehr zu betonen.
"Misterioso" ist eine wunderschoene Komposition des Pianisten Thelonious Monk, die auf der Kippe zwischen einem Blues und einem modalen Stueck liegt. Viel Musik verstreicht von einem Stufenwechsel zum naechsten, und im Thema wird mit weiten Tonspruengen ein offener Raum erzeugt, der sich jenseits von Chords und Scales befindet. Und genau diese Weite macht das Stueck fuer die Formation interessant, genau der Punkt, wo die Akkorde gewissermassen entfunktionalisiert werden, wo die Funktion an Bedeutung verliert und nur noch als reiner Klang verstanden werden. Dadurch steht die Improvisation denn auch in direktem Zusammenhang mit dem Thema und gewinnt durch diesen zusaetzlich an Sinn und Inhalt. In diesem Kontext werden Tonleitern nicht mehr verwendet, sondern allenfalls aufgegriffen und wieder fallen gelassen, sie koennen sich ergeben, sie sind eine Moeglichkeit, anhaengig von der Situation.
Wer ueber Musik berichten moechte, weiss, dass gerade das wesentliche nur sehr schwer in Sprache gefasst werden kann. Doch der Versuch, ueber das Substantielle einer Musik zu sprechen, kann ein kleiner Teil musikalischen Erlebens sein. Die Substanz, das Wesentliche in Harald Haerters Musik erfaehrt man jedoch nur, wenn man sie sich anhoert.
:: Miron Landrea ::
Facts 1995
Ein Besessener spielt sich an die Weltspitze
Der Zuercher Gitarrist Harald Haerter spielt laengst mit internationalen Jazz-Groessen. Dass er selber zu diesen zaehlt, hat in der Schweiz noch kaum jemand gemerkt.
Der 20jaehrige Mann spielte 1978 seine Gitarre auf dem Trottoir vor dem Casino in Montreux dermassen virtuos, dass ihn Patron Claude Nobs gleich auf die Hauptbuehne seines renommierten Jazzfestivals holte. Der junge Mann war Harald Haerter. Damals sei ihm bewusst geworden, rekapituliert der heute 37jaehrige, dass er mit vollem Einsatz arbeiten muesse, wenn er eine professionelle Musikerkarriere einschlagen wolle. Harald Haerter ist ein Besessener. Was sich der Zuercher Gitarrist in den Kopf gesetzt hat, erkaempft er sich mit viel Beharrlichkeit.
Unzaehlige Konzerte mit stilistisch unterschiedlichsten Bands haben Haerter nicht nur musikalisch geschult, sondern auch seinen Blick geklaert fuer die alles andere als rosigen Umstaende der Jazzszene. Und statt sich - wie so manche Schweizer Hobby-Band - auf ein Management abzustuetzen, bearbeitet er hartnaeckig Veranstalter und Management gleich persoenlich.
Solch grosser Einsatz liess Haerter und seine aktuelle Gruppe Intergalatic Maidenballet zu einem der erfolgreichsten Schweizer Jazz-Acts werden. Die Basis dazu war, dass Haerter sich auch musikalisch nie zurueckgelehnt hat, nie begnuegen wollte. Sein Ehrgeiz trieb ihn nach New York, wo er anderthalb Jahre bei John Scofield in die Lehre ging, dem ehemaligen Gitarristen des grossen Miles Davis. Scofield war es, der Haerter vom Hang zu effekthascherischen Schnellaeufen kurierte. Wohl spielt er auch heute manchmal noch rasend schnell, doch ist das nicht mehr prahlerischer Selbstzweck, nicht blosse Tempobolzerei. Er vermag mittlerweile auch den letzten Ton packend und nuanciert zu phrasieren.
Haerters heutiger Spielstil erinnert zwar in Klang und Fluss an seinen frueheren Lehrer Scofield. Doch hat er einen Ausdruck gefunden, der in seiner Vielschichtigkeit gruendet. Hatte er sich zu Beginn seiner Karierre noch an Joe Pass und Django Reinhardt orientiert, verband er diese Einfluesse schon bald mit rotzigem Free Funk. Im Sound des Intergalactic Maidenballet zeigt sich jetzt, dass er frueher genauso Jimmy Pages Rockriffs bei Led Zepplin studierte, wie er sich heute von Hip-Hop inspirieren laesst.
Diese stilistische Breite resultiert in einer spannenden Mischung von rockiger Wucht, funkiger Akzentuierung und jazzigem Raffinement, die jedoch nie in Gefahr laeuft, den Klischees des herkoemmlichen Fusion zu verfallen. "Die Musik des Intergalactic Maidenballet soll ein Spiegel der heutigen Musik sein", sagt Haerter. Das bestaetigt das letztjaehrige Album "Gulf" des Intergalactic Maidenballet eindruecklich. Die Platte wurde nicht nur in Europa veroeffentlicht, sondern auch in den USA, wo die Band immer oefter auftritt. Zweimal bereits, 1990 und 1991, wurde Haerter dort ans renommierte Houston International Jazz Festival eingeladen. Und es ist an der Zeit, dass auch das Festival in Montreux seine einstige Entdeckung dem Schweizer Publikum wieder in einem wuerdigen Rahmen praesentierte.
:: Markus Ganz ::
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